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11.04.2019

Interaktive Geschichte #Floflüchtet - Gastbesuch (Zwischenkapitel)

(Da ich den Vorschlag mit Herrmann dem Cherusker so lustig fand, habe ich daraus ohne erneuten Aufruf ein Zwischenkapitel geschrieben) 

Gastbesuch

Meinst du das jetzt wirklich ehrlich? Das ist doch nicht dein Ernst, oder? Du denkst also, wirklich es wäre eine gute Idee, wenn wir schon in der Nähe der niederländischen Grenze wären, da könnten wir doch so einfach mal den Kopf freikriegen. Ich zögere noch. Doch sehe mich wenig später den Daumen raushalten und wenig später sitze ich zwischen zwei Kindern auf dem Weg ins Nachbarland. Ich sehe dich doch schon wieder schmunzeln, als mir von links immer wieder ein Schnuller vor den Mund gehalten wird. Na gut, ich schmunzeln auch. Die Stimmung im Auto ist gut, sind sie doch auf dem Weg in den Urlaub. Sonne, Strand und Meer. Für mich ist allerdings schon kurz hinter Venlo Schluss. Ich habe zwar keine Ahnung woher du das weißt, aber da soll es nach deinen Aussagen einen gemütlichen, kleinen Laden geben, der perfekt für unser Vorhaben geeignet ist. Allerdings brauche ich noch über eine halbe Stunde zu Fuß, bis wir den Coffeeshop erreichen und so sitzen wir wenig später auf einem gemütlichen Sofa und pusten leichte Rauchschwaden in die Luft. So langsam wird mein Kopf leichter. Das Denken wird weniger. Ich finde Gefallen an diesem Zustand, der mich entspannt. So kann ist es jetzt eine Flucht der Gedanken. Die Zeit verrinnt, während der Rausch mich im Griff hat. Alles ist so easy. Ich spüre gar nicht, wie die Zeit verrinnt. Auch dir sehe ich die Entspannung an einem breiten Grinsen im Gesicht an. Als der Abend hereinbricht, lädt uns eine Gruppe Einheimischer auf eine Party ein. Du schüttelst zwar den Kopf, doch schließlich folgst du mir und dem kleinen Trüppchen doch bereitwillig. Vielleicht ahnst du ja schon, was da kommen wird. Das kleine Haus am Rande des Städtchens wirkt einladend. Als die Tür sich öffnet, dringt ruhige Musik an unser Ohr. Gut gelaunte Menschen bevölkern die Zimmer und ein intensiver Geruch liegt in der Luft. Der Abend verfliegt wie im Rausch oder eher er verfliegt im Rausch. Ganz ohne „wie“! „Immerhin haben wir so ein Dach über dem Kopf“, ist mein letzter Gedanke, als ich mitten im Getümmel von Schlaf überrascht werde und mit einem breiten Grinsen im Gesicht einnicke und Dunkelheit hereinbricht.
Als die sich wieder lichtet, höre ich Stimmengewirr. Im nächsten Augenblick werden Befehle gebrüllt, etwas Schweres und Unhandliches befindet sich in meinem linken Arm und ein länglicher Gegenstand in meiner Rechten blitzt silbern in einem Sonnenstrahl, der sich durch die dichten Baumkronen eines Waldes dringt. Als ein hochgewachsener Mann mit einem erhobenen Schwert auf mich zugestürmt kommt, reiße ich intuitiv den linken Arm hoch und erkenne das Schild, dass ich zur Abwehr des Hiebes vor mich halte. Ich wehre mich mit Leibeskräften gegen den durchtrainierten Gegner. Erkenne einen Römer in voller Montur als Feind. Gekonnt führt er sein Gladius im Kampf. Ich spüre einen scharfen Schmerz an meinem Arm, als die Klinge mich streift. Mit großer Verwunderung über mich selbst, stelle ich fest, dass Widerstand leiste. Wie ein geborener Krieger dränge ich den römischen Soldaten zurück, sehe ihn fallen. Doch der nächste Angreifer steht schon bereit. Ich sehe die feindlichen Linien in einer wahren Übermacht aus einem schmalen Tal stürmen. Doch keiner der feindlichen Männer kann mir das Wasser reichen. Im nächsten Augenblick höre ich wie laute Befehle gebrüllt werden. Ein Feldherr stürmt durch den dichten Wald an mir vorbei. Schlagartig wir mir klar, wo ich befinde, denn es ist Arminius, besser bekannt als Hermann der Cherusker. Mir wird klar, wo ich bin. Ich befinde mich mitten in der Varusschlacht. Erneut sehe ich eine Klinge auf mich zufliegen. Ich ducke mich unter ihr hinweg, greife an und stürze ins nichts. Der eben noch weiche, nach Pilzen und Moosen riechende Waldboden verwandelt sich in harte und kalte Fliesen.
Schlagartig werde ich wach und befinde mich wieder in dem kleinen Haus am Rand der niederländischen Siedlung. Es ist ruhig geworden, die Party offensichtlich beendet. Im Dämmerlicht liegst du in deinem Sessel. Breitgrinsend scheinst du von etwas Angenehmeren zu träumen als ich. In diesem Moment schwöre ich mir:
„Einmal und nie wieder!“

Admin - 08:10:36 @ Gedankenflucht, Floflüchtet | Kommentar hinzufügen

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